Wie in jedem Jahr gibt es eine Gedenkstunde zum Volkstrauertag. Am Sonntag, 16. November ab 10:45 in der Kirche unserer Gethsemane-Gemeinde. Im Anschluss werden vor der Kirche von Kameraden der Feuerwehr Kränze zum Gedenken niedergelegt.
Ortsbürgermeister Marc Angerstein ist leider beruflich verhindert, hat aber seinen Stellvertreter Peter Emmerich gebeten, folgende Worte zu sprechen:
„Heute stehen wir wieder zusammen – am Volkstrauertag.
Ein Tag, der uns innehalten lässt.
Ein Tag, der uns mahnt.
Ein Tag, der uns verbindet: im Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt, an diejenigen, die ihr Leben für Frieden und Freiheit gaben, und an die, die bis heute unter den Folgen von Konflikten leiden.
Nicht nur hier bei uns in Fümmelse kommen gerade Menschen zusammen, um ihrer Toten und ihrer gefallenen Soldaten zu gedenken. Allein in Stadt und Landkreis Wolfenbüttel finden heute Vormittag knapp 100 ähnliche Veranstaltungen statt.
Der Volkstrauertag ist mehr als eine Tradition. Er ist eine Verpflichtung. Eine Verpflichtung, die Erinnerung wachzuhalten – nicht als Last, sondern als Auftrag. Wir gedenken der Soldaten, die in beiden Weltkriegen starben, der Zivilisten, die unter Bomben und Vertreibung litten, und der Millionen Menschen, die in Diktaturen und Lagern ihr Leben verloren.
Doch das Gedenken darf nicht in der Vergangenheit stehen bleiben. Es muss uns auch heute leiten.
2025 ist ein Jahr, das uns besonders herausfordert: Der Krieg in der Ukraine hält an, die Bilder aus Gaza und Israel erschüttern uns, und weltweit fliehen Menschen vor Gewalt und Hunger. Selbst in Europa spüren wir die Folgen: steigende Energiepreise, politische Spannungen und die Angst vor Unsicherheit, die sich immer weiter ausbreitet.
Fümmelse ist kein Ort, der von diesen Entwicklungen unberührt bleibt. Viele von uns haben Verwandte oder Freunde, die von den Krisen betroffen sind. Manche in unseren Reihen haben selbst Flucht und Vertreibung erlebt. Und doch: Wir stehen hier – gemeinsam.
Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Jahrzehnten des Friedens, der Demokratie und des Miteinanders.
Frieden beginnt im Kleinen: Frieden ist kein Selbstläufer. Er braucht Menschen, die ihn jeden Tag neu gestalten.
Im alten Dorf, im Ritterhof, in der Kolonie, im Nordring, auf dem Thieder Weg oder in unseren Neubaugebieten.
Das sind Sie: diejenigen, die in Vereinen zusammenarbeiten, die Nachbarn unterstützen, die sich für Geflüchtete engagieren oder einfach nur zuhören, wenn jemand Sorgen hat.
In Fümmelse zeigen wir, wie das geht:
Unsere Freiwillige Feuerwehr steht bereit – nicht nur bei Bränden, sondern auch, wenn Menschen in Not sind.
Unsere Vereine bringen Generationen zusammen, ob beim Sport, bei der Musik oder im sozialen Einsatz.
Und nicht zuletzt: Unsere Jugendgruppenleiter in der Alten Schule, unsere Grundschule und unsere Kindertagesstätte bringen unseren Kindern bei, dass Streit nicht mit Gewalt, sondern mit Worten gelöst wird.
Das sind keine großen Gesten. Aber es sind die kleinen Schritte, die eine Gesellschaft stark machen.
Doch wir dürfen uns nicht in falscher Sicherheit wiegen. Die Bilder aus der Ukraine, die Berichte über Hass und Hetze im Internet und in ‚Sozialen Medien‘, die wachsende Spaltung in unserer Gesellschaft – sie zeigen: Frieden ist zerbrechlich. Er braucht unseren Einsatz. Jeden Tag.
Der Volkstrauertag erinnert uns daran, dass Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich sind. Sie wurden erkämpft – und sie müssen bewahrt werden. Das bedeutet auch, hinzusehen, wenn Unrecht geschieht. Das bedeutet, sich einzumischen, wenn Hass redet. Das bedeutet, Brücken zu bauen, wo Gräben entstehen.
Zum Abschluss möchte ich die Worte von Willy Brandt aufgreifen, die heute so aktuell sind wie damals: ‚Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.‘
Lassen Sie uns diesen Frieden – hier in Fümmelse, in unserem Land und in der Welt – mit Leben füllen. Indem wir einander achten. Indem wir Verantwortung übernehmen. Indem wir die Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewalt in Taten umsetzen.
Ich danke Ihnen – auch im Namen des Ortsrates – für Ihr Kommen. Ich danke Ihnen für Ihr Engagement. Und ich danke allen, die heute und jeden Tag für den Frieden arbeiten.
Ihre Teilnahme heute hier an dieser Veranstaltung zeigt, das alles ist Ihnen nicht gleichgültig. Ich möchte deshalb auch der Freiwilligen Feuerwehr für Ihre Ehrenabordnung herzlich danken, unserer Kirchengemeinde für das gemeinsame Gedenken von Ortsteil und Gemeindemitgliedern und unserer Trompeterin Annalena Müller, die gleich die Zeremonie draußen umrahmen wird.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und an meinen stellvertretenden Bürgermeister für das Verlesen meiner Gedanken.
Ich wünsche Ihnen noch einen friedlichen Gedenktag und einen ruhigen Sonntag.
Ihr
Marc Angerstein
Ortsbürgermeister Wolfenbüttel-Fümmelse“